„Elbwald retten“: Ein Hamburger Verein zeigt, wie erfolgreiches Campaigning funktioniert

Jedes Jahr freuen sich Hunderttausende Menschen ?ber den aus mehr als 350 Pappeln, Weiden, Eschen, Eichen, Ulmen und Ahornb?umen bestehenden Elbwald am Bubendey-Ufer. Denn der Elbwald liegt genau gegen?ber dem Elbstrand in ?velg?nne, einem der beliebtesten Erholungsgebiete Hamburgs. Eingerahmt zwischen den grossen Containerkr?nen zur Linken und dem Airbuswerk zur Rechten, ist er die ?gr?ne Lunge? inmitten des maritimen Industriegebietes Finkenwerder. Mit einer Volkspetition m?chte der Verein Elbwald retten erreichen, dass der Hamburger Senat und die Hamburgische B?rgerschaft die geplante Abholzung des Elbwaldes im Rahmen der Westerweiterung des Hafens stoppt.Initiatoren der Kampagne, die mittlerweile eine richtige Volksbewegung geworden ist, sind die Vorsitzenden des Vereins Elbwald retten Franz Hermann (links auf dem Foto) und Ulf Wolter, die sich mit ihren Erfahrungen hervorragend erg?nzen:Franz Hermann ist am Elbufer aufgewachsen. Der gelernte Journalist gewann in seiner Zeit als Marketing-Manager im Bertelsmann-Konzern f?r eine Initiative gegen Ausl?nderfeindlichkeit u.a. den PR-Oskar ?Golden World Award for Exellence?.Ulf Wolter f?hrt seit 31 Jahren zur See, 23 Jahre davon als Kapit?n. Somit kennt er die Meere dieser Welt. Gepr?gt wurde er aber seit seiner Kindheit von der Elbe, wo er schon als Jugendlicher das Deck des familieneigenen K?stenmotorschiffs schrubbte.Die Gr?nfl?che, um die es geht, hie? bis zum Sommer 2025 offiziell ?Bewaldung am Bubenday-Ufer in Waltershof?. ?Da das eher abstrakt und geo-technokratisch klingt, wollten wir einen Namen finden, der einfach, klar und positiv besetzt ist. So sind wir auf die Idee gekommen, die B?ume als das zu benennen, was sie sind: ein Elbwald eben?, blickt Hermann zur?ck. Aufgrund der klaren Botschaft, ist es dem Verein gelungen, den neu kreierten Begriff binnen weniger Monate zu etablieren: In der Hamburger Presse, der Politik und der ?ffentlichen Diskussion ist der Elbwald mittlerweile eine gesetzter Begriff, selbst auf Google Maps sind die B?ume nun so erfasst. W?hrend Unternehmen oft viele Jahre und viel Geld ben?tigen, um ein neues Branding zu etablieren, ist es dem Verein Elbwald retten gelungen, dies quasi zum Nulltarif in kurzer Zeit zu erreichen.Eine erfolgreiche Kampagne sollte m?glichst knapp formuliert, konzentriert und klar verst?ndlich sein. Genau dies haben die Elbwaldretter umgesetzt und eine Volkspetition (daf?r braucht man in Hamburg 10.000 Unterschriften) initiiert, mit der die Rodung verhindert werden sollAngesichts der Tatsache, dass die bestehenden Containerterminals im Hamburger Hafen eine Auslastung von nur etwa 60% haben, gibt es keine Notwendigkeit, neue Liegepl?tze zu schaffen. F?r dieses unsinnige Projekt 1,1 Milliarden an Steuergeldern auszugeben und einen Wald zu f?llen, ist nicht nur aus Umweltschutzgr?nden sondern auch wirtschaftlich betrachtet unsinnig. Daher hat der Verein Elbwald retten erfolgreich kommuniziert, dass das Projekt der Hafenerweiterung aus ?kologischen und ?konomischen Gr?nden keinen Sinn macht.Die Hamburger Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard hatte die Hafenerweiterung und die damit verbundene Baumf?llung im Juli 2025 auf einer Pressekonferenz auf der Barkasse des Hamburger Senats verk?ndet. ?Das k?nnen wir auch?, dachte sich Kapit?n Ulf Wolter und lud die Hamburger Lokaljournalisten zu einer Pressefahrt zum Elbwald auf seinem Zodiac-Expeditionsschlauchboot ein. Das Ergebnis war ein breites, ausschlie?lich positives Presseecho.Buchst?blich Flagge zeigt der Verein inzwischen am gesamten Elbufer im Hamburger Westen: Dort h?ngen an Fahnenmasten von privaten H?usern und gastronomischen Betrieben ?ber 30 Flaggen mit dem markanten Elbwald retten-Logo.Dar?ber hinaus haben mehrere Hamburger Graffiti-K?nstler auf W?nden am Elbufer Bilder verewigt, die die Rettung des Waldes fordern.Des Weiteren hat der Verein im Fr?hjahr 2026 eine Wanderausstellung mit Elbwald-Bildern des Hamburger Fotografen Christian Terstegge organisiert.Au?erdem haben zwei Hamburger Musik-Bands Elbwald-Songs ver?ffentlichtWie das heutzutage so sein sollte, werden alle Aktivit?ten des Vereins Elbwald retten auf sozialen Medien wie Instagram oder Facebook dokumentiert.Neben klassischen Marketing-Ma?nahmen hat der Verein auch eine Reihe unkonventioneller Aktivit?ten organisiert: So wurde beispielsweise im Winter eine Demonstration zwischen Eisschollen auf einer Barkasse durchgef?hrt.Im Juli 2026 hat der Verein Elbwald retten seine Kampagne ausgeweitet und ist in die Offensive gegangen: Der Umweltverband fordert nun nicht mehr nur den Erhalt der 350 von der Rodung bedrohten B?ume, sondern auch eine Aufforstung auf dem rund 25 Hektar gro?e Brachland dahinter. Damit w?rde ein Biotop mit ?ber 3.500 B?umen entstehen. Das w?rde den Elbwald zum Stadtwald machen und einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Klimaziele der Hansestadt zu erreichen.Es hat in Deutschland wohl kaum eine NGO-Kampagne gegeben, die ohne gro?es Budget (nach Angaben des Vereins weniger als 15.000 Euro) so schnell so viel bewegt hat. Elbwald retten ist daher ein Musterbeispiel f?r kreatives und erfolgreiches Campaigning. Zumal der Verein mit seiner Volkspetition auf der Zielgeraden ist und kurz davor steht, die erforderlichen 10.000 Unterschriften zu erreichen.

Keywords:Marketing,Campaigning,Umweltschutz,B?ume

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