WUNSIEDEL. Immer mehr ?kostrom zu verwenden, ist unbedingt n?tig, wollen wir eine klimaneutrale Wirt-schaft, ein klimaneutrales Leben erreichen. Doch nicht ?berall lassen sich fossile Energien durch Strom er-setzen. Hier ist Wasserstoff ein Ausweg, der in seiner gr?nen Form keine klimasch?dlichen Emissionen ver-ursacht. „Wir werden davon immer mehr brauchen und in Wunsiedel leisten wir unseren Beitrag dazu, dass der Bedarf gedeckt werden kann“, sagt Marco Krasser, Gesch?ftsf?hrer der SWW Wunsiedel GmbH. „Mit Wasserstoff erg?nzen sozusagen „gr?ne Molek?-le“ die „gr?nen Elektronen“.“
Anders als in der Energiewelt der Vergangenheit m?ss-ten in Zukunft sehr viele Akteure Energie produzieren, so Krasser weiter. Zusammen mit der Stadt Wunsiedel hat er bereits vor vielen Jahren den sogenannten Wunsiedler Weg konzipiert, mit dem konsequent auf erneuerbare und regionale Energiequellen gesetzt wird. Eines der neues-ten Projekte ist der Bau einer Wasserstoff-Anlage in Wunsiedel, f?r den sich die SWW mit der Siemens Fi-nancial Services und der Rie?ner Gase GmbH zur WUN H2 GmbH zusammengetan hat. Siemens Energy wird den Elektrolyseur liefern, Siemens Smart Infrastructure ist der Generalunternehmer.
Klimaneutral ist der Wasserstoff, von dem rund 1.350 Tonnen pro Jahr produziert werden sollen, deshalb, weil f?r die Erzeugung ausschlie?lich ?kostrom aus der Re-gion verwendet wird. Er wird daher als gr?ner Wasserstoff bezeichnet. Und auch um die Abnehmer hat man sich bereits gek?mmert. Es sind vor allem Industriebetriebe in Oberfranken, der Oberpfalz, Th?ringen, Sachsen sowie Westb?hmen in Tschechien. Daneben soll der Wasser-stoff auch dabei helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Weitere Option ist eine ?ffentliche H2-Tankstelle f?r LKW und Busse.
Von der Stahlerzeugung bis zum Flugverkehr
Wasserstoff wird vor allem deshalb eine bedeutende Rol-le in einer nachhaltigen Energiewirtschaft zugeschrie-ben, weil das Gas fast universell einsetzbar ist. Bisher liefert es vor allem in der chemischen Industrie Energie – zum Beispiel bei der Herstellung von Stickstoffd?nger oder synthetischen Kraftstoffen. Letztere gewinnt man, indem der Wasserstoff mit Kohlendioxid in Methanol ?berf?hrt wird. Weil dabei aber viel Energie verloren geht, ist der Sinn umstritten.
In Wunsiedel und anderswo konzentriert man sich auf die Dekarbonisierung von Industrieprozessen mit Hilfe von gr?nem Wasserstoff. F?r die Stahlerzeugung bei-spielsweise wird bisher haupts?chlich Kohle oder Erdgas genutzt, sie ist jedoch auch mit Wasserstoff m?glich. Ein weiteres gro?es Feld, das sich mit dem farb- und geruch-losen Gas, in diesem Fall per Brennstoffzelle, klimaneut-ral stellen lie?e, ist der Schwerlastverkehr. E-Betrieb sei hier kaum m?glich, weil die daf?r n?tigen Batterien viel zu schwer sind, erl?utert Krasser. Dasselbe gilt f?r den Schiffsverkehr, wo Wasserstoff das Schwer?l abl?sen k?nnte. Und auch Dieselloks, die auf Strecken ohne Oberspannungsleitungen unterwegs sind, lie?en sich auf das Gas umstellen.
Politische Entscheidungen n?tig
„Man darf gespannt sein, welchen Stellenwert die neue Regierung dem gr?nen Wasserstoff geben wird und wie es in der Folge mit der Nationalen Wasserstoffstrategie weitergehen wird“, sagt Krasser mit Blick auf die kom-mende Ampel-Koalition. Als einer der Vorreiter einer Transformation der Energieversorgung sieht der innovati-ve Stadtwerke-Gesch?ftsf?hrer die Politik in der Pflicht. „Wie ?berall m?ssen die gesetzlichen Rahmenbedin-gungen stimmen, damit mehr in die Wasserstofftechnolo-gie investiert wird.“ Die Potenziale seien zumindest ein-drucksvoll. Wasserstoff sei ein perfekter Speicher f?r Wind- und Sonnenstrom. Zudem k?nne er die Energie-sektoren Strom, W?rme, Mobilit?t und Industrie verbinden.
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