Sparkonto verliert an Beliebtheit / Sparverhalten der Deutschen zwischen Lockdown und Niedrigzins

– Sicherheitsgef?hl als wesentlicher Antrieb zum Sparen hat ausgedient
– Jeder Sechste durch Lieferverz?gerungen zum Sparen „gezwungen“
– Niedrigzins regt kaum noch zum Geldausgeben an

Bonn, 16.12.2021 | Viele Deutsche sind traditionell engagierte Sparer. Insbesondere das eigene Sicherheitsbed?rfnis ist ein starker Treiber f?r klassisches Sparen. Die j?ngste repr?sentative Umfrage im Auftrag der norisbank zeigt jedoch: Mittlerweile ist ein R?ckgang bei der Sparneigung zu verzeichnen. W?hrend im letzten Jahr 51,5 Prozent der Befragten, die mehr sparen konnten als im Vorjahr, ein finanzielles Polster auf dem Konto als Sicherheit empfunden haben, sind es 2021 nur noch 45,8 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2019 (56,6 Prozent, 2018: 53,2 Prozent) ist dieser Wert sogar um 10,8 Prozentpunkte gefallen. Dieser Trend macht sich vor allem bei den 60- bis 69-J?hrigen bemerkbar: W?hrend 2019 noch 71 Prozent der Altersgruppe ein sicheres Gef?hl dank gut gef?lltem Konto als Argument f?r das klassische Sparen und gegen zum Beispiel das Investieren in Wertpapiere nannten, sind es zwei Jahre sp?ter nur noch 53,8 Prozent der Befragten.

Trotzdem berichten viele Banken seit 2020 von erheblich steigenden Guthaben auf den Konten. Sicher sind die besonderen Rahmenbedingungen der Pandemie eine wesentliche Ursache. Denn f?r viele Befragte ist der unfreiwillige Verzicht auf Konsum und insbesondere auf neue Anschaffungen oder auch auf Reisen ein bedeutender Grund f?r die gef?llten Giro- und Sparkonten. Fast ein Drittel der Deutschen (31,4 Prozent) gibt an, dass sie aufgrund des Lockdowns nicht wie geplant ihr Geld ausgeben konnten und deshalb im letzten Jahr mehr gespart haben. Bei den Frauen zwischen 60 und 69 Jahren war die Einschr?nkung im Kaufverhalten offenbar besonders gro?. 44,4 Prozent gaben an, mehr sparen zu k?nnen, weil der Lockdown Ausgabepl?ne vereitelt hat.

Gr??ere Anschaffungen offenbar f?r viele ein „erzwungener“ Spargrund
Die ausgedehnten Lockdowns haben viele K?ufe unm?glich gemacht. Viele Kaufinteressenten haben Anschaffungen auch sicherlich aus Verunsicherung geschoben. Die Konsequenz: steigende Guthaben auf den Konten. F?r so manche Anschaffungen liegt bei den Deutschen das n?tige Geld schon bereit, aber die Lieferzeiten machen ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nicht selten ist es zudem aktuell unm?glich, Handwerker f?r geplante Investitionen im Eigenheim zu bekommen. So ?berrascht das Befragungsergebnis nicht, dass fast jeder Sechste (17,4 Prozent) gern die M?glichkeit zu einem gr??eren Kauf – wie beispielsweise eine neue K?che oder ein neues Auto – wahrgenommen h?tte, aber mit starken Verz?gerungen bei der Lieferung oder mit langen Wartezeiten auf Handwerkertermine zu k?mpfen hat. Es zeigt sich, dass besonders bei Familien die Wartezeiten f?r Gro?anschaffungen der Grund f?r das „erfolgreiche“ Sparjahr 2021 sind: 27,1 Prozent von ihnen geben zum Beispiel Lieferverz?gerungen als Grund daf?r an, warum sie in diesem Jahr mehr Geld beiseitelegen konnten.

Niedrigzins bewegt kaum zum Geldausgeben
Durch Zinssenkungen und die Einf?hrung des Negativzinses wollten die Zentralbanken den Konsum der Menschen ankurbeln. Verbraucher sollten dazu motiviert werden, weniger zu sparen und mehr auszugeben, um die Wirtschaft anzutreiben. Stand heute zeigt die Umfrage im Auftrag der norisbank jedoch ein anderes Bild: Eine Verkn?pfung des eigenen Ausgabeverhaltens mit dem aktuellen Niedrigzins gibt es f?r viele Deutsche offenbar nicht. Jeder F?nfte (20,1 Prozent), der in 2021 weniger gespart hat als im Vorjahr, hat das Geld unabh?ngig von den niedrigen Zinsen ausgegeben. Besonders hoch ist dieser Wert bei den 18- bis 29-J?hrigen: 31,1 Prozent dieser Altersgruppe und damit fast ein Drittel haben sich unabh?ngig vom Niedrigzins zum Geldausgeben entschieden. Besonders auff?llig: Sogar fast die H?lfte der Deutschen (47,4 Prozent) gibt an, weniger Geld zur Verf?gung gehabt zu haben, sodass ihnen Sparen nicht m?glich war. Bei den Singles sind es sogar genau 50 Prozent. Nur 17,2 Prozent der Befragten best?tigen aktuell, dass sie aufgrund der niedrigen Zinsen ihr Geld ausgegeben haben. Sie sind der Auffassung, dass sich Sparen in dieser Situation nicht mehr lohnt (2020: 18,1 Prozent, 2019: 32,8 Prozent, 2018: 35,7 Prozent). Der Niedrigzins als Stimulus f?r verst?rkte Ausgaben hat mit dem Start der Pandemie offenbar ausgedient. Bedenkt man die stark steigende Inflation, so scheint es f?r Zentralbanken an der Zeit, die Zinspolitik zu ?berdenken.

Mehr Informationen zur norisbank finden Sie unter www.norisbank.de oder besuchen Sie uns auf Twitter: https://twitter.com/norisbank.

?ber die Umfrage
Die norisbank hat zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Innofact AG 1.030 Personen ab 18 Jahren bev?lkerungsrepr?sentativ nach Alter und Geschlecht befragt. Die Online-Befragung wurde Ende Oktober 2021 durchgef?hrt.

Keywords:Sparkonto,Beliebtheit,Sparverhalten

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