Ohne Nachfolger droht tausenden Betrieben das Aus

KfW-Studie warnt

PRESSEMITTEILUNG

Der deutsche Mittelstand steht vor einer strukturellen Z?sur. Laut aktuellem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 von KfW Research ziehen immer mehr Unternehmer in Betracht, ihren Betrieb nach dem Ausscheiden nicht zu ?bergeben, sondern zu schlie?en. Damit ver?ndert sich der Markt f?r Unternehmensnachfolgen grundlegend.

Bereits jedes vierte mittelst?ndische Unternehmen erw?gt eine Stilllegung nach dem R?ckzug der Inhaber. Hochgerechnet entspricht das rund 114.000 m?glichen Gesch?ftsaufgaben pro Jahr bis 2029.

Ein historischer Moment im Nachfolgemarkt
Diese Entwicklung markiert einen echten Wendepunkt. W?hrend eine Unternehmens?bergabe fr?her als Regelfall galt, w?chst heute der Anteil der Betriebe, deren Fortbestand nicht gesichert ist.

Damit entsteht eine neue Marktsituation: Nicht nur die Zahl ?bergabereifer Unternehmen steigt – erstmals nimmt auch die Zahl der Betriebe zu, die ohne Nachfolger vollst?ndig vom Markt verschwinden k?nnten.

Preise sind gestiegen – aber erkl?rbar
Die Kaufpreise mittelst?ndischer Unternehmen sind seit 2019 gestiegen. Im Durchschnitt liegen die Preisvorstellungen heute rund 34 % ?ber dem damaligen Niveau, real inflationsbereinigt etwa 9,5 %.

Diese Entwicklung entspricht weitgehend den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie Inflation, gestiegenen Sachwertbewertungen und h?heren Kostenstrukturen. Die Preissteigerung ist damit vor allem Ausdruck einer Marktanpassung – kein au?ergew?hnlicher Sondertrend.

Erwartungen liegen teils ?ber Marktkorridoren
Im Durchschnitt verlangen Verk?ufer derzeit etwa das 1,2-Fache des Jahresumsatzes.

Tats?chliche Transaktionswerte bewegen sich laut Marktdaten meist in einer Spanne von etwa 0,69 bis 1,12 des Umsatzes.

Das zeigt: Preisvorstellungen k?nnen ?ber realisierten Marktwerten liegen. Solche Abweichungen sind jedoch typisch f?r Verhandlungsprozesse und stellen keine au?ergew?hnliche Marktverzerrung dar.

Keine systematische ?berbewertung erkennbar
Die Studie kommt ausdr?cklich zu dem Ergebnis, dass es keine Hinweise auf eine fl?chendeckende oder strukturelle ?berbewertung von Unternehmen gibt.

Mit anderen Worten: Auch wenn einzelne Preisforderungen hoch erscheinen m?gen, bewegt sich der Markt insgesamt weiterhin innerhalb realistischer Bewertungsbandbreiten.

Unternehmen gibt es genug – der Zugang bleibt eine H?rde
Der Zugang zu geeigneten Unternehmen erfordert Zeit, Netzwerk und Ausdauer. Der Nachfolgemarkt ist stark fragmentiert; viele Betriebe werden diskret ?ber pers?nliche Kontakte ?bergeben und erscheinen nie ?ffentlich am Markt.

Gerade darin liegt die Besonderheit der aktuellen Situation: Die Zahl verf?gbarer Unternehmen w?chst, w?hrend der Kreis aktiver ?bernehmer begrenzt bleibt. F?r qualifizierte Kandidaten entsteht dadurch ein struktureller Vorteil – allerdings nur f?r diejenigen, die aktiv suchen und verstehen, wie dieser Markt funktioniert.

Der zentrale Engpass liegt selten in der Finanzierung
In der ?ffentlichen Wahrnehmung gilt Finanzierung h?ufig als gr??te Herausforderung bei Unternehmens?bernahmen. Die Daten zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Wirtschaftlich stabile Betriebe mit nachvollziehbaren Gesch?ftsmodellen lassen sich grunds?tzlich gut finanzieren, da der Kapitaldienst aus laufenden Ertr?gen getragen werden kann. F?r Banken und Finanzierungspartner gelten etablierte Unternehmen daher h?ufig als kalkulierbarer als Neugr?ndungen.

Auch F?rderprogramme der KfW und ?ffentliche B?rgschaften tragen dazu bei, Finanzierungsl?sungen zu erm?glichen.

Qualifizierte Kandidaten sind vorhanden – entscheiden sich jedoch oft nicht
Der Nachfolgemarkt leidet nicht daran, dass es grunds?tzlich keine geeigneten Kandidaten g?be. Vielmehr zeigt die Praxis, dass gerade erfahrene Fach- und F?hrungskr?fte besonders sorgf?ltig abw?gen, bevor sie unternehmerische Verantwortung ?bernehmen.

Viele dieser Kandidaten verf?gen ?ber stabile Karrieren, sichere Einkommen und klare Perspektiven. Der Schritt in eine Unternehmens?bernahme ist f?r sie kein Ausweg, sondern eine strategische Entscheidung. Genau deshalb f?llt sie h?ufig schwer: Wer bereits etwas erreicht hat, bewertet Risiken differenziert und vorsichtig.

Der entscheidende Denkfehler im Nachfolgemarkt
Ein zentraler Punkt wird h?ufig untersch?tzt: Wirtschaftlich gesunde Unternehmen lassen sich finanziell oft ?hnlich strukturiert darstellen wie eine gut instand gehaltene Immobilie mit stabilen Einnahmen. Wenn laufende Ertr?ge verl?sslich sind, kann daraus der Kapitaldienst getragen werden. Finanzierung ist in solchen F?llen kein spekulatives Risiko, sondern ein kalkulierbarer Mechanismus.

Was vielen potenziellen Nachfolgern fehlt, ist daher weniger Kapitalzugang als Erfahrung im Umgang mit solchen Finanzierungsstrukturen. Gerade Personen aus klassischen Angestelltenkarrieren hatten bislang oft keinen Einblick in die Mechanik von Unternehmens?bernahmen. Diese Wissensl?cke erzeugt Unsicherheit – und Unsicherheit f?hrt dazu, dass Chancen nicht genutzt werden.

Der gr??te Unterschied zwischen Interessenten und tats?chlichen Nachfolgern ist selten Kapital – sondern Verst?ndnis.

Fr?hzeitige Planung erh?ht Erfolgschancen deutlich
Die Untersuchung zeigt zugleich, dass Unternehmensnachfolgen keineswegs selten scheitern. Bei kurzfristig geplanten ?bergaben befinden sich bereits rund 64 Prozent in konkreten Verhandlungen oder sind abgeschlossen.

Der entscheidende Faktor ist dabei vor allem der rechtzeitige Beginn der Planung.

Chance f?r eine neue Unternehmergeneration
Aus Marktsicht entsteht derzeit eine au?ergew?hnliche Konstellation: Noch nie standen so viele etablierte Unternehmen zur ?bernahme bereit wie heute. F?r erfahrene Manager, Fachkr?fte mit F?hrungserfahrung oder Gr?nder kann die ?bernahme eines bestehenden Betriebs eine risiko?rmere Alternative zur Neugr?ndung darstellen – mit funktionierenden Prozessen, bestehenden Kunden und laufenden Ums?tzen.

Fazit
Die Ergebnisse zeigen klar: Der Nachfolgemarkt ist kein Krisensignal, sondern ein strukturelles Chancenfenster. Finanzierungsm?glichkeiten sind in vielen F?llen vorhanden – entscheidend ist die Bereitschaft, unternehmerische Verantwortung zu ?bernehmen und die Mechanik von ?bernahmen realistisch einzuordnen.

Keywords:Nachfolger,Betrieben

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