Angesichts von Kriegen und Energiekrisen h?lt die sozial orientierte Wohnungswirtschaft am Kurs „Klimaneutralit?t“ fest. Das zeigte sich in zahlreichen Diskussionsrunden und Fokus-Sessions des 6. Fachkongresses der Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) in Darmstadt.
Als gelte es, Skeptiker:innen in den eigenen Reihen endg?ltig f?r die Sache des Klimaschutzes zu gewinnen, belegte der Kongress mit Fakten und Daten, dass die Wohnungswirtschaft mit der W?rmewende aktiver Teil der 4. weltweiten Energierevolution ist. Energieexperte Dr. Tim Meyer machte in seiner Keynote deutlich, dass die Stromproduktion aus Wind und Sonne weltweit eine exponentielle Wachstumskurve erreiche. Sie sei ungleich steiler, als es die Energietr?ger Kohle, Erd?l und Erdgas je erreicht h?tten. Ursache seien die Skaleneffekte der industriellen Massenproduktion, insbesondere der von Solarmodulen und Batteriespeichern. Fossile Gro?kraftwerke lie?en sich nicht in Serie herstellen. Der Markt habe l?ngst entschieden: Die Elektrifizierung des Verkehrs- und W?rmesektors sei nicht mehr aufzuhalten, weil Elektromotoren und W?rmepumpen viel effizienter arbeiteten als Verbrennungsmaschinen.
Der Praxispfad bleibt der richtige Weg
Folgerichtig konstatierte GdW-Pr?sident und IW.2050 Vorstandsvorsitzender Axel Gedaschko in seiner Er?ffnungsrede: „In dieser irren Welt bleibt der Praxispfad CO2-Reduktion im Geb?udesektor der richtige Weg.“ Klimaschutz bleibe auf der Agenda, allerdings bei noch engeren ?konomischen Rahmenbedingungen. Angesichts der j?ngsten Preisexplosion f?r Gas und ?l w?rden die Zinsen weiter steigen. Baumaterialien h?tten sich bereits um 20 bis 30 Prozent verteuert.
Transformation so schnell wie m?glich
Auf dem Weg der Transformation liegt Deutschland nach Einsch?tzung von Dr. Thomas Hain, stellvertretender Vorstand IW.2050 und Leitender Gesch?ftsf?hrer der NHW, im Vergleich mit anderen L?ndern weit zur?ck. „Je eher die Transformation kommt, desto besser“, erkl?rte Hain in seiner Rede vor 280 Kongressteilnehmer:innen. Dazu bed?rfe es politischer Weitsicht und einer Strategie, die ?ber Legislaturen und Parteigrenzen hinweg langfristig Bestand habe. In Deutschland gebe es allerdings ein energiepolitisches Tauziehen. „Angesichts des Krieges gegen den Iran und die Verknappung fossiler Energie feiern wir mit der Wiedergeburt der Gasheizung die Freiheit im Heizungskeller.“ Was wir wirklich br?uchten, ist jedoch der Ausbau der Stromnetze, nicht nur physisch, sondern auch durch Digitalisierung und den Einsatz von Smart Metern. In zahlreichen Nachbarl?ndern seien 80 bis 100 Prozent aller Verbraucher mit intelligenten Stromz?hlern ausgestattet. In Deutschland betrage die Quote ganze 5 Prozent. Die j?hrliche Rechnung, die Deutschland f?r Gas- und ?limporte zu zahlen habe, betrage 60 Milliarden Euro. Geld, das besser in regenerative Energietechnik investiert werden sollte. Hain: „Das w?rde unserem Land Resilienz verleihen gegen internationale Krisen.“
Gegen Ende seiner Rede verriet der stellvertretende Vorsitzende der IW.2050, was ihm angesichts der gro?en Herausforderungen Hoffnung macht: Unter Wohnungsunternehmen gebe es keine Konkurrenz, daf?r aber eine gro?e Bereitschaft, Wissen und Erfahrungen zu teilen und gemeinsam nach L?sungen zu suchen. Die gro?e Mehrheit der IW.2050-Unternehmenspartner h?tten bereits einen Klimapfad entwickelt, der Bestand habe, selbst wenn sich der politische Wind drehe.
Gas ist keine Option
Verkehrte Welt: In den Netzwerk-Runden des Fachkongresses konnten die Panelisten Fragen an das Kongresspublikum richten. Ein Format, das bereits im letzten Jahr gro?en Anklang fand. Hierbei wurde deutlich, dass die von der Regierung angestrebte Technologieoffenheit f?r die Gasheizung keine Option f?r die sozial orientierte Wohnungswirtschaft darstellt. Die zu erwartenden Preissteigerungen f?r Gas – getrieben von der CO2-Steuer, den steigenden Netzentgelten und der Beimischung von Biogasen – w?rden nicht nur zu einer sozialen Schieflage f?hren. Gem?? den mietrechtlichen Eckpunkten des Geb?udemodernisierungsgesetzes m?ssen sich zuk?nftig Eigent?mer im Falle des Einbaus einer neuen fossilen Heizung zu 50 Prozent an diesen Kosten beteiligen. Daher sei der Einsatz von elektrischen W?rmepumpen in Mehrparteienh?usern in weiten Teilen der Branche Konsens.
Fernw?rme kritisch begleiten
Der zweite Weg – der Ausbau der Fernw?rme – wurde insgesamt kritischer gesehen. Aufgrund der Monopolstellung der Versorger erg?ben sich Mehrkosten um den Faktor drei bis vier. Und je gr?ner die Fernw?rme werde, umso teurer werde sie auch. Dabei best?nde in vielen Kommunen ein Zwang zum Anschluss an die Fernw?rme.
Der Praxispfad CO2-Reduktion legt den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung der Energieerzeugung. GdW-Pr?sident Axel Gedaschko bekr?ftigte auf dem Kongress in Darmstadt, dass Klimaschutz nur auf diesem Weg finanzierbar bleibe. Der Gesch?ftsf?hrer der GGH Heidelberg, Peter Bresinski, forderte eine konsequente Ausrichtung aller F?rderrichtlinien auf die CO2-Vermeidung.
Schwerpunkt Tag 2: einfaches Bauen
Neben der Energiefrage war der „Hamburg-Standard“ f?r einfaches, schnelles und kosteng?nstiges Bauen zentrales Thema des IW.2050-Fachkongresses. Moderatorin Ulrike Trampe, Baufachjournalistin und Vorsitzende Arbeitskreis Baufachpresse, fragte die Expert:innen im Panel, inwieweit sich der vereinfachte Standard auf das Planungs- und Baugeschehen in der Hansestadt auswirkt. Die Runde war sich einig, dass die Idee des einfachen Bauens unter allen Beteiligten eine breite Diskussion ausgel?st habe. Marko Lohmann, Vorstand der Gemeinn?tzigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG, bezeichnete den neuen Standard „als zentrales Element f?r den Neubau“. Baugenehmigungen w?rden jetzt zum Teil in acht bis zw?lf Wochen erteilt, was fr?her 15 Monate gebraucht habe. Thorsten Schulte, Leiter Gesch?ftsbereich Bau bei der SAGA, beschrieb die Wirkung des Hamburg Standards so: „Es geht ein Ruck durch die Beh?rden.“ Die zentrale Antragskonferenz unter Beteiligung aller Entscheidungstr?ger sei der entscheidende Beschleuniger des Genehmigungsprozesses.
Themen-Workshops mit Praxisn?he
Der 2. Kongresstag war au?erdem gepr?gt von neun einst?ndigen Fokus-Sessions. Expert:innen und Verantwortliche aus Wohnungsunternehmen teilten ihre Erfahrungen aus zahlreichen Transformationsprojekten. Darunter etwa die Speicherung von elektrischer und thermischer Energie im Quartier, Wertsch?pfung durch PV-Investitionen, den Einsatz von intelligenten Heizungsthermostaten, das Energiemonitoring und der Einsatz von KI im Heizungskeller oder schlie?lich Wohnungsbau unter Wiederverwendung gebrauchter Baukomponenten.
Erstmals erweiterte die Initiative Wohnen.2050 den Fachkongress um einen 3. Veranstaltungstag. Der bot Raum f?r einen noch intensiveren Praxisaustausch der Arbeitsebene in vier Workshops zu den Themen Umsetzung und Finanzierung der Klimastrategie, Anwendung des KlimaPfadfinder-Tools, Betrieb und Steuerung von W?rmepumpen sowie Fallstricke im Umgang mit Fernw?rme.
Positives Fazit zum 6. Fachkongress
Der gesch?ftsf?hrende Vorstand der IW.2050, Felix L?ter, und die stellvertretende Vorst?ndin, Michaela Meyer, waren sich am Ende des Kongresses dar?ber einig, wohin die Reise geht: „Wir werden bei der W?rmepumpe bleiben und m?ssen die Fernw?rme angesichts der Kostenentwicklung im Auge behalten.“ Selbstkritisch f?gte Michaela Meyer hinzu: „Unsere offene Flanke ist die Mieterkommunikation.“ Die Transformation k?nne nur gelingen, wenn die Kunden durch intensive Informationskampagnen auf diesem Weg mitgenommen werden. Das sei eine Kommunikationsaufgabe der Zukunft.
Save the date: Der 7. Fachkongress der IW.2050 findet vom 28. bis 30. April 2027 wieder im darmstadtium, Darmstadt, statt. Infos unter: www.iw2050.de
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