Ausbildung – ein besonderes Arbeitsverhältnis

ARAG Experten zum rechtlichen Rahmen der Berufsausbildung

Auszubildende sind ein wichtiger Bestandteil der heimischen Wirtschaft. Nach Zahlen von Statista gab es 2019 hierzulande mehr als 1,3 Millionen Azubis. Eine Ausbildung ist aber etwas anderes, als ein normales Angestelltenverh?ltnis. Doch was gilt beispielsweise im Hinblick auf Arbeitszeit, Probezeit, Verg?tung oder Urlaub? Im ersten Teil der Doppelserie geben die ARAG Experten einen ?berblick ?ber die Rechte der Auszubildenden und informieren ?ber das Bundesprogramm “Ausbildungspl?tze sichern”.

Der Ausbildungsvertrag
?hnlich wie bei Angestellten geh?ren einige wichtige Informationen in den Ausbildungsvertrag: Probezeit, Arbeitszeit, Verg?tung, Urlaub und Pflichten des Azubis. Au?erdem m?ssen auch noch Ausbildungsdauer und Ausbildungsort in den Vertrag aufgenommen werden. Wenn der Azubi j?nger als 18 Jahre ist, bedarf der Vertrag der Unterschrift eines gesetzlichen Vertreters. Azubis k?nnen ihren Vertrag nat?rlich auch selber k?ndigen.

Wie lange d?rfen Azubis arbeiten?
Im Ausbildungsvertrag wird die t?gliche oder w?chentliche Arbeitszeit festgelegt. Was dar?ber hinaus geht, sind ?berstunden, die nur in besonderen Ausnahmef?llen anfallen d?rfen. F?r die Arbeitszeit gelten f?r Jugendliche unter 18 Jahren Einschr?nkungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz. So d?rfen sie nur an f?nf Tagen in der Woche besch?ftigt werden. Am Samstag ist die Besch?ftigung nur in bestimmten Wirtschaftsbereichen erlaubt. Mindestens zwei Samstage im Monat sollen besch?ftigungsfrei bleiben. Nur in sehr wenigen Wirtschaftsbereichen ist eine Besch?ftigung am Sonntag zul?ssig.

Grunds?tzlich gilt: Jugendliche d?rfen nicht mehr als acht Stunden t?glich und 40 Stunden w?chentlich besch?ftigt werden. Jugendliche unter 16 Jahren d?rfen nur in der Zeit von sechs bis 20 Uhr besch?ftigt werden; ab dem 16. Geburtstag k?nnen je nach Branche Ausnahmen gelten.

Welche Pausenregelung gilt f?r Azubis?
Auch Azubis haben ein Recht auf Pausenzeiten, ?ber die sie frei verf?gen k?nnen. Minderj?hrige m?ssen bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb bis zu sechs Stunden mindestens eine halbe Stunde Pause machen. Arbeiten sie mehr als sechs Stunden, betr?gt die Pause eine Stunde. Bei vollj?hrigen Azubis ist eine halbe Stunde Pause bei sechs bis neun Stunden Arbeitszeit vorgesehen und 45 Minuten bei mehr als neun Stunden Arbeit.

Welche Aufgaben sind erlaubt?
Azubis haben dar?ber hinaus ein Recht auf eine ordentliche Ausbildung, mit der sie den Lehrberuf sp?ter aus?ben k?nnen. Erlaubt sind daher nur dem Ausbildungszweck dienende Aufgaben, die die k?rperlichen Kr?fte nicht ?bersteigen. Der Einsatz als Ersatz f?r andere Arbeitnehmer ist nach strenger Auslegung dieser Regelung nicht gestattet.

Was ist mit der Probezeit?
In der Probezeit k?nnen Ausbildungsbetrieb und Azubi pr?fen, ob sich die Ausbildungsziele gemeinsam erreichen lassen. Auszubildende finden heraus, ob der Beruf ihren Vorstellungen entspricht und wie gut er sich im gew?hlten Betrieb erlernen l?sst. Arbeitgeber erfahren, ob der Azubi die beruflichen Grundanforderungen erf?llt. In der Probezeit darf der Ausbildungsbetrieb dem Azubi jederzeit und grundlos k?ndigen. Die K?ndigung muss der Auszubildende aber sp?testens am letzten Tag der Probezeit erhalten. Sonst kommt sie zu sp?t und der Betrieb kann nur noch aus einem wichtigen Grund k?ndigen.

Laut dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) muss die Probezeit zwischen einem und vier Monaten betragen, kann aber innerhalb dieses Rahmens individuell festgelegt werden. Grunds?tzlich erlaubt es das BBiG nicht, die Probezeit ?ber die maximalen vier Monate hinaus zu verl?ngern. Ausnahmen sind laut ARAG Experten jedoch zul?ssig, wenn die Ausbildung zu mehr als einem Drittel der vereinbarten Probezeit ruht, beispielsweise krankheitsbedingt.

Was geh?rt zur Arbeitsverg?tung?
Der Ausbildungsbetrieb muss den Auszubildenden angemessen bezahlen. Die tariflichen Ausbildungsverg?tungen fallen je nach Branche und Ausbildungsjahr jedoch sehr unterschiedlich aus. Die Ausbildungsverg?tung muss aber j?hrlich ansteigen. Die H?he der Ausbildungsverg?tung wird f?r die unterschiedlichen Ausbildungsjahre im Ausbildungsvertrag ausgewiesen. Au?erdem wird geregelt, wann die Ausbildungsverg?tung gezahlt wird, also zum Beispiel, ob am Ende oder in der Mitte des Monats.

Wie hoch ist die Arbeitsverg?tung?
Seit Januar 2020 gilt laut BBiG eine Mindestverg?tung f?r Auszubildende. In 326 Ausbildungsberufen d?rfen nun keine L?hne unter dem Mindestlohn f?r Auszubildende ausgezahlt werden. Dieser Mindestlohn ist nach Ausbildungsjahren gestaffelt: Ein Azubi im zweiten Ausbildungsjahr bekommt 18 Prozent mehr als sein Kollege im ersten Jahr. Im dritten Ausbildungsjahr sind es 35 Prozent und im vierten Ausbildungsjahr sogar 40 Prozent mehr. Bis 2023 wird der Mindestlohn f?r Azubis schrittweise erh?ht, ab 2024 passt sich die H?he an die durchschnittliche Entwicklung aller Ausbildungsverg?tungen an. Seit 2021 erhalten Auszubildende im ersten Ausbildungsjahr 550 Euro, 2022 gibt es bereits 585 Euro und 2023 betr?gt der Mindestlohn 620 Euro brutto pro Monat.

Wie viel Urlaub bekommen Azubis?
Jeder braucht mal eine Pause und auch Auszubildende haben Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Das Jugendarbeitsschutzgesetz unterscheidet den Urlaubsanspruch nach Alter. Ist der Auszubildende zu Beginn des Kalenderjahres j?nger als 16 Jahre, gibt es mindestens 30 Werktage Urlaub. Ist er j?nger als 17 Jahre, gibt es mindestens 27 Werktage Urlaub und ist er j?nger als 18 Jahre, sind es mindestens 25 Werktage Urlaub im Jahr. Ab der Vollj?hrigkeit gilt f?r ihn das Bundesurlaubsgesetz. Er z?hlt dann als normaler Arbeitnehmer und bekommt bei einer Sechs-Tage-Woche 24 Werktage – also mindestens vier Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr.

Bundesprogramm “Ausbildungspl?tze sichern”
Mit diesem Programm hat die Bundesregierung bereits im letzten Jahr kleine und mittlere Unternehmen gef?rdert, die von den Folgen der Corona-Pandemie besonders betroffen sind. Das Programm sieht Pr?mien f?r Betriebe vor, wenn sie Azubis im bisherigen oder gr??eren Umfang neu einstellen oder aus insolventen Betrieben ?bernehmen. Diese Pr?mien werden ab 1. Juni 2021 verdoppelt. Dann betr?gt die Ausbildungspr?mie 4.000 Euro je Ausbildungsvertrag, wenn die Zahl der neu eingestellten Azubis konstant bleibt, wenn die Zahl erh?ht wird, gibt es sogar 6.000 Euro pro Vertrag vom Staat. Auch die ?bernahmepr?mie aus insolventen Betrieben betr?gt dann 6.000 statt 3.000 Euro. Neu ist ein Sonderzuschuss f?r Kleinstunternehmen: Wenn sie eine Ausbildung trotz geringerer Gesch?ftst?tigkeit in der Pandemie fortf?hren, erhalten sie 1.000 Euro.

Weitere interessante Informationen unter:
https://www.arag.de/service/infos-und-news/rechtstipps-und-gerichtsurteile/job-und-finanzen/

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