Gerade jetzt im Sommer freuen sich t?glich tausende Menschen ?ber den aus mehr als 350 Pappeln bestehenden Elbwald am Bubendey-Ufer. Denn er liegt genau gegen?ber dem Elbstrand in ?velg?nne, einem der beliebtesten Erholungsgebiete Hamburgs.
Eingerahmt zwischen den gro?en Containerkr?nen am Burchardkai zur Linken und dem Airbuswerk zur Rechten, ist er die gr?ne Lunge inmitten des Industriegebietes Finkenwerder.
Allerdings plant die Hamburger Wirtschaftsbeh?rde gemeinsam mit dem Containerterminalbetreiber Eurogate und der Hamburg Port Authority, die B?ume abzuholzen, um ein stark umstrittenes neues Containerterminal zu bauen.
Wir haben mit Diplomforstwirt Markus M?ssel, der Mitglied im Verein Elbwald retten ist, ?ber die ?kologische Bedeutung der B?ume gesprochen.
Redaktion: Kritiker der Initiative Elbwald retten sagen, es ginge ja nur um eine Baumreihe, also quasi nur um die Optik. Was entgegen Sie dem?
M?ssel: Um es klar zu sagen: Das ist eine Schutzbehauptung, bzw. eine krasse Fehleinsch?tzung. Hier handelt es sich um stattliche bis monumentale B?ume. Zudem sind es mehrere Reihen von ganz ?berwiegend Pappeln sowie vereinzelt Weiden, Eschen und einem ?kologisch wertvollem Nachwuchs aus Ahorn, Eiche, Ulme, Erle, Zitter- und Silberpappel, Hasel, Hartriegel, Liguster, Traubenkirsche und zahlreiche andere Strauch- und Staudenarten.
Redaktion: Ein weiteres Gegenargument ist, dass Pappeln ?kologisch weitestgehend wertlos seien,
M?ssel: Diese Kritiker denken dabei vermutlich an einen agroforstlichen Plantagenbetrieb mit extrem kurzzeitigem Umtrieb. Aber diese Nutzungsform wird inzwischen ?kologisch anders eingeordnet. Die negative Einstellung der Kritik trifft im Fall des Elbwaldes ohnehin nicht zu, da es hier ja keine wirtschaftlichen Ziele gibt. Allein die ausladende Wuchsform der hiesigen Pappeln sowie der ?kologisch vielschichtige Unterwuchs sind beeindruckend. Dar?berhinaus bietet die vom Publikumsverkehr abgeschiedene Lage Rast- und Brutgelegenheiten f?r gesch?tzte Tierarten. Vom Wasser-, Boden- und Uferschutz ganz zu schweigen. Sp?testens in den immer h?ufiger auftretenden Hitzewellen sollte jeder bemerkt haben, wie wichtig der Elbwald als eine Art ?K?hlakku? im Hamburger Hafen ist.
Redaktion: Der Verein Elbwald retten fordert jetzt die Aufforstung des Areals. Was hat es damit auf sich?
M?ssel: Erst einmal zum Begriff der Aufforstung: von einer Aufforstung im klassischen Sinne kann hier nicht die Rede sein. Ziel ist es, eine Waldfl?che zu schaffen, die m?glichst viele Aufgaben erf?llt. Es geht uns um eine nat?rliche Ausbreitung der Geh?lze. Anders als bei einer herk?mmlichen Aufforstung, werden runde aber auch buchtig verlaufende Lichtungen und Geh?lzr?nder belassen – ebenso sind unterschiedliche Vertikalstrukturen erw?nscht.
Unterst?tzt wird die Wiederbewaldung durch Anpflanzung und Aussaat verschiedener Baumarten. Zudem ist es niemals ein Fehler, kontaminierte B?den zu bepflanzen.
Redaktion: Was w?rde es kosten, hinter dem Elbwald die von Ihnen geforderten 3000 B?ume anzupflanzen?
M?ssel: Gem?? aktueller Zahlen w?rden f?r das gesamte Areal etwa 13.000 Euro anfallen.
Redaktion: Sie geben an, die jetzigen B?ume des Elbwaldes w?rden t?glich eine Millionen Liter Sauerstoff produzieren. Ist diese beeindruckende Zahl wissenschaftlich belegbar?
M?ssel: Diese Zahl ist sogar zur?ckhaltend gesch?tzt und gibt den t?glichen gasf?rmigen Sauerstoffausstoss der Pappeln im Jahresdurchschnitt absolut realistisch wieder.
Redaktion: Laut Baumkataster gibt es in Hamburg exakt 231.081 B?ume. Warum sind die 350 B?ume im Elbwald dabei so wichtig?
M?ssel: Auch wenn es sich ?nur? um 350 B?ume handelt, ist die Lage hier ausschlaggebend: Es handelt sich um den letzten Baumbestand in einem Industriegebiet, der dort zahlreiche – im ?brigen kostenlose – Funktionen erf?llt und f?r Menschen und Natur unersetzlich ist.
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