Maritime Energieversorgung

Abfall ahoi: Wie Kreuzfahrtschiffe ihren M?ll auf See nutzen

Die Ozeanriesen produzieren unterwegs enorme Mengen an Reststoffen. Die L?sung: Moderne Waste-to-Energy-Systeme verwandeln den Abfall nun auf ihren Routen in saubere Energie, mithilfe einer hochinnovativen Mikrowellen-Technologie. Was also bislang aufw?ndig und teuer an Land entsorgt werden musste, kommt jetzt in einem geschlossenen Kreislauf direkt an Bord effizient wieder zum Einsatz.

Erm?glicht wird dieses hocheffiziente Abfall- und Energiesystem durch ein integriertes Verwertungskonzept.

Mikrowellen statt M?llberge

Auf den modernsten Kreuzfahrtschiffen wird Abfall inzwischen nicht mehr nur gesammelt und entsorgt, sondern unmittelbar als Energie nutzbar gemacht. Das Verfahren wirkt futuristisch: Es handelt sich um eine Mikrowellen-unterst?tzte Pyrolyse (MAP), eine Form der thermischen Abfallbehandlung im Waste-to-Energy-Bereich.

Mikrowellen erhitzen organische Reststoffe in einem geschlossenen Reaktor auf 500 bis 800 Grad Celsius. Da kein Sauerstoff vorhanden ist, verbrennt der Abfall nicht. Stattdessen zerfallen die molekularen Strukturen ohne Rauchentwicklung in Sekundenbruchteilen. Daraus entsteht ein hochenergetisches Synthesegas, das direkt in den bordeigenen Kreislauf eingespeist wird, um Dampf und Strom f?r den Schiffsbetrieb oder die riesigen Wasserparks an Bord zu erzeugen. Das System arbeitet extrem wirtschaftlich, da es selbst nur einen kleinen Bruchteil der Energie ben?tigt, die es am Ende erzeugt. Als einziges Restprodukt bleibt reine Biokohle zur?ck, die sp?ter an Land zur Verbesserung des Bodens verwendet werden kann[1].

Das weltweit zweitgr??te Kreuzfahrtunternehmen Royal Caribbean Group setzt die Technologie bereits bei ihren neuesten Schiffsmodellen ein. Auf der ?Icon of the Seas?, mit 365 Metern L?nge und bis zu 7.600 Passagieren an Bord das gr??te Kreuzfahrtschiff der Welt, ist ein MAP-System im Einsatz. Das Unternehmen bezeichnet die Anlage als die erste ihrer Art auf einem Kreuzfahrtschiff[2].

Eine Stadt auf See

Weltweit kreuzen derzeit genau 310 Kreuzfahrt-Hochseeschiffe der f?hrenden Reedereien auf den Weltmeeren[3]. Schiffe in diesen Gr??enordnungen sind keine Transportmittel, sondern schwimmende St?dte mit Hotels, Restaurants, K?chen, W?schereien, Pools und Freizeitwelten. Dabei erzeugen sie t?glich enorme Abfallmengen. Pro Person fallen im Schnitt 3 bis 3,5 Kilogramm Abfall pro Tag an. Das ergibt rund 21 Tonnen t?glich pro Schiff, etwa so viel wie drei ausgewachsene Elefanten, die jeden Tag neu an Bord kommen. Der energetische Gehalt dieses Abfalls liegt bei mehr als 180.000 Megajoule pro Tag. Umgerechnet entspricht das einer Energiemenge von 50.000 Kilowattstunden. Diese Leistung reicht aus, um die gesamte Festbeleuchtung und die Klimaanlagen aller Passagierkabinen eines solchen Ozeanriesen f?r mehrere Stunden komplett autark zu betreiben[4].

Erg?nzend zur Energiegewinnung reduzieren solche thermischen Abfallbehandlungssysteme gleichzeitig das bisher extern zu entsorgende M?llaufkommen um bis zu 90 bis 95 Prozent. Damit sinken die Abh?ngigkeit von Hafenlogistik und Entsorgungsinfrastruktur sowie die damit verbundenen Kosten deutlich.

Vom Ballast zum Benefit

Waste-to-Energy ist auf Kreuzfahrtschiffen nicht nur Technologie, sondern ein wirtschaftlicher Hebel. Ein modernes Kreuzfahrtschiff kostet zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Euro. Die integrierten Umwelt- und Waste-to-Energy-Systeme machen dabei nach branchen?blichen Engineering-Sch?tzungen etwa 1 bis 2 Prozent der Investitionskosten aus. Das entspricht rund 10 bis 15 Millionen Euro pro Schiff.

Studien zur thermischen Abfall- und Energier?ckgewinnung zeigen, dass sich durch geringere Entsorgungskosten und die Einsparung fossiler Bordenergie ?ber die Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren wirtschaftliche Effekte von rund einer Million US-Dollar pro Jahr und Schiff ergeben k?nnen[5].

Fazit: Der Einsatz von Waste-to-Energy macht Kreuzfahrtschiffe von reinen Energieverbrauchern zu Betriebssystemen mit teilweise autarken Kreisl?ufen an Bord. Abfall wird dabei vom logistischen Problem zu einem kontinuierlich nutzbaren Stoffstrom im laufenden Betrieb der schwimmenden St?dte auf See.

[1] https://www.vowasa.com/breakthrough-scanship-map-waste-to-energy-carbon-capture-contract-in-cruise/
[2] https://royalcaribbeanpresscenter.com/news/royal-caribbean-group-transforms-waste-management-in-the-cruise-industry-helping-protect-the-oceans-
[3] https://cruising.org/news/cruise-lines-international-association-clia-releases-annual-environmental-technologies
[4] https://www.mdpi.com/2077-1312/10/4/480
[5] https://www.mdpi.com/2077-1312/10/4/480

Keywords:Energie,Pyrolyse,Waste-to-Energy,Kreuzfahrt,Kreuzfahrtschiffe,Abfall

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