+++ 10 Jahre Tag der Legasthenie und Dyskalkulie: Chancengleichheit braucht politische Verantwortung +++
Der Aktionstag macht auf die Lebensrealit?t von Menschen mit Lese-/Rechtschreib- und Rechenst?rungen aufmerksam. Trotz fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse bestehen weiterhin bundesweit erhebliche Unterschiede bei F?rderung, Nachteilsausgleich und Notenschutz.
Seit zehn Jahren richtet die St?ndige Kindervertretung der Deutschen Kinderhilfe e. V. den Aktionstag am 30. September gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) aus. Zum Jubil?um ver?ffentlichen beide Partner einen gemeinsamen Podcast, der die Herausforderungen von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie verst?ndlich macht und zugleich aufzeigt, welche Ver?nderungen in Gesellschaft und Bildungspolitik dringend erforderlich sind.
+++ Wissenschaftliche Erkenntnisse m?ssen in der Praxis umgesetzt werden +++
Forschung und Praxis zeigen, dass es sich bei einer Legasthenie oder Dyskalkulie um neurobiologisch bedingte Entwicklungsst?rungen des Lesens und Rechtschreibens bzw. Rechnens handelt. Sie k?nnen unabh?ngig von Intelligenz, Motivation oder famili?rem Engagement auftreten. Eine fr?hzeitige fachgerechte Diagnostik und eine evidenzbasierte F?rderung entsprechend den S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der Lese-/Rechtschreibst?rung und der Rechenst?rung k?nnen die Bildungs- und Entwicklungschancen der Betroffenen erheblich verbessern. Dennoch klaffen wissenschaftliche Erkenntnisse und die Lebenswirklichkeit vieler Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener noch immer weit auseinander. ?Wir fordern eine Aktualisierung der zuletzt 2007 von der KMK ?berarbeiteten Grunds?tze zur F?rderung dieser Sch?lergruppe unter Ber?cksichtigung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse?, sagt Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL.
+++ Nachteilsausgleich ist keine Bevorzugung +++
Bei Nachteilsausgleichen geht es ausdr?cklich nicht um Sonderrechte, sondern um Chancengleichheit. Wer aufgrund einer Legasthenie oder Dyskalkulie beim Lesen, Schreiben oder Rechnen erheblich beeintr?chtigt ist, ben?tigt angemessene Unterst?tzung, um Leistungen unter fairen Bedingungen zeigen zu k?nnen. Ein Nachteilsausgleich schafft keinen Vorteil, sondern gleicht bestehende Nachteile aus und erm?glicht eine faire und objektive Leistungsbewertung. ?Die Verpflichtung dazu ergibt sich nicht nur aus p?dagogischer Verantwortung, sondern auch aus nationalen und internationalen Rechtsgrundlagen. Das Benachteiligungsverbot des Grundgesetzes und die Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention unterstreichen den Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe?, sagt Dana Zelck, Leiterin PR- und ?ffentlichkeitsarbeit der Deutschen Kinderhilfe ? Die st?ndige Kindervertretung e.V.
+++ Bundesweit verl?ssliche Standards sind notwendig +++
Vor diesem Hintergrund muss die politische Diskussion st?rker auf strukturelle L?sungen ausgerichtet werden. Deutschland braucht bundesweit verl?ssliche Standards f?r Diagnostik, F?rderung, Nachteilsausgleich und Notenschutz. Kinder d?rfen ihre Unterst?tzung nicht beim ?bergang von der Grundschule auf eine weiterf?hrende Schule verlieren. Auch in Ausbildung, Studium und Beruf m?ssen angemessene Nachteilsausgleiche und Notenschutz selbstverst?ndlich m?glich sein. Denn Bildung endet nicht mit dem Schulabschluss. Legasthenie und Dyskalkulie begleiten Betroffene bis ins Erwachsenenalter. Wer lebenslanges Lernen fordert, muss deshalb auch lebenslange Chancengleichheit erm?glichen.
+++ Potenziale statt Defizite in den Mittelpunkt stellen +++
Neben strukturellen Verbesserungen braucht es einen Perspektivwechsel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie werden h?ufig ?ber ihre Schwierigkeiten definiert. Dabei verf?gen Betroffene selbstverst?ndlich ?ber vielf?ltige F?higkeiten und Kompetenzen. ?Eine moderne Gesellschaft kann es sich weder sozial noch wirtschaftlich leisten, Potenziale durch ungeeignete Bildungsstrukturen ungenutzt zu lassen. Chancengleichheit ist damit nicht nur eine Frage individueller Gerechtigkeit. Sie ist auch eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft?, sagt Dana Zelck, Deutsche Kinderhilfe ? Die st?ndige Kindervertretung e.V.
+++ Jubil?um auch als Auftrag f?r die Politik +++
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. setzt sich daf?r ein, wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftliches und politisches Handeln zu ?berf?hren. Der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie steht f?r diesen Anspruch: Er schafft Aufmerksamkeit, bringt Betroffene, Eltern, Fachkr?fte, Wissenschaft und Politik miteinander ins Gespr?ch und gibt Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie eine Stimme.
Die politischen Verantwortungstr?ger von Bund und L?ndern sind aufgefordert, unter Einbeziehung der Wissenschaft gemeinsam mit Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Verb?nden zu handeln. . Nur so k?nnen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen verl?ssliche Strukturen und aus dem Anspruch auf Chancengleichheit gelebte Realit?t werden. ?Der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie am 30. September ist deshalb weit mehr als ein Aktionstag. Er ist ein gesellschaftlicher Auftrag die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass f?r Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie das Erreichen von Schulabschl?ssen, Ausbildungszielen und weiteren Bildungswegen nicht l?nger verhindert wird.?, so Tanja Scherle vom BVL.
Weitere Informationen zum Tag der Legasthenie und Dyskalkulie am 30.09.2026 und zum Podcast sind im Internet unter https://www.bvl-legasthenie.de/aktionstag abrufbar.
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