Speed Dating fürs Business

Beziehung ist Kommunikation – Kommunikation ist Beziehung

Beim Speed Dating wird schnell deutlich, dass jede Beziehung Kommunikation ist und jede Kommunikation Beziehung. Lockerbleiben bei der Kontaktaufnahme, wichtiger wie auch richtiger Gespr?chseinstieg, Pr?senz, raffinierte Wortwahl – letztendlich hat man nur wenig Zeit, einen kreativen Eindruck zu hinterlassen. Das gilt im gesch?ftlichen Kontext ?brigens genau wie im privaten Umfeld. Hier kommen sechs Speed Dating-Regeln f?r eine spannende und wirksame, kreative und wertvolle Alltagskommunikation.

L?ngst wird Speed-Dating nicht mehr nur bei der Partnersuche eingesetzt. Die Prinzipien gelten inzwischen auch bei der Suche nach einem Job ebenso wie nach einer Wohnung, f?r die Zusammenf?hrung von Azubis und Unternehmen, zum Kennenlernen der Teilnehmer bei Seminaren oder f?r einen fachlichen Austausch auf Messen. Identisch bleibt dabei immer das Ziel: innerhalb einer relativ kurzen und festgelegten Zeit m?glichst viele Gespr?chspartner etwas n?her kennenzulernen, im Idealfall sogar erste Gemeinsamkeiten festzustellen.

Regel # 1: Locker bleiben
Die erste Speed Dating-Regel besagt, dass wir ganz locker sein sollen. Der Riegel im Kopf „die oder den muss ich haben“ oder „heute treffe ich meinen M?rchenprinzen oder meine Traumfrau“ ist mehr Blockade und eher weniger eine motivierende Zielgr??e. Ziele im Leben sind gut, das ist unbestritten. Doch in der konkreten Situation der Kommunikation gilt es, ans Hier und Jetzt zu denken: Konzentrieren Sie sich auf das, was gerade jetzt geschieht! Es geht nicht um schwierige Verhandlungen, dort ist strategisches Vorgehen sinnvoll – es geht um den Alltag. Einfach so, um diese fast vernachl?ssigbare Gr??e von etwa 85 Prozent der Gespr?che w?hrend des Tages. Vertrauen wir ruhig darauf, dass „es“ schon richtig funktioniert. Das gelingt, wenn die innere Haltung stimmt. Denken wir Schlechtes ?ber eine Situation oder unser Gegen?ber, kommt es auch so r?ber. Umso wichtiger ist es, an der eigenen Haltung zu arbeiten: Die Dinge positiv-konstruktiv sehen, um sie dann eben auch mal ganz locker angehen zu k?nnen.

Regel # 2: Pr?sent sein
Allt?gliches l?uft Gefahr, einfach so nebenbei erledigt zu werden. Das kurze Gespr?ch mit dem Chef, der Kollegin, dem Kunden, der Mitarbeiterin wird im besten Fall inhaltsfokussiert gef?hrt. Kurz, knapp, klar – so haben wir es gelernt. Allenfalls noch auf Level 2, n?mlich sauber positiv formuliert. Eine Bitte statt ein Befehl, ein Wunsch statt eine Aufforderung. Aussagen wie „H?rst du mir ?berhaupt zu?“ oder „Ich habe den Eindruck, dass du gar nicht so richtig da bist?“ kennen wir alle. Die Pr?senz gestaltet die Intensit?t unserer Alltagskommunikation. Unabh?ngig von den richtigen oder falschen Worten: ankommen tun diese nur, wenn sie in m?glichst h?chster Pr?senz ausgesprochen werden. Genau so sollten wir auch in Dialog(e) gehen: keine automatisierten S?tze, sondern ein Bekenntnis zur Pr?senz. Geht schneller, braucht weniger Vorbereitung, verlangt aber im Endeffekt mehr Vertrauen zu sich selbst. Dieses pr?gt unsere Auftritte auch im Kleinen. Dabei hat Selbstvertrauen nichts mit ?berheblichkeit zu tun. Es ist das Vertrauen in sich, zu wissen, dass ich mit Talenten und F?higkeiten so gut ausgestattet bin, dass ich das Richtige zur richtigen Zeit sage und tue.

Regel # 3: Offen bleiben
Das Vorurteile einschr?nken, ist hinl?nglich bekannt. Treffen wir auf ein Gegen?ber, das uns optisch an eine verflossene Liebe erinnert, geht es entweder negativ oder positiv weiter. Egal was war – es pr?gt. Einfacher gesagt als getan: Das Gegen?ber hat eine Chance, genau nicht so zu sein, wie wir es erwarten. Achten wir also auf Unterschiede oder suchen wir Dinge, die neu, interessant, spannend sind. „Haben Sie Schulterschmerzen?“, war die Frage bei einer Polizeikontrolle. Es interessierte den Polizeibeamten wahrlich nicht, mit welchen Schmerzen der Verkehrsteilnehmer f?hrt, sondern er wollte ihm lediglich mitteilen, dass er den Sicherheitsgurt nicht tr?gt und dass das ein Bu?geld kostet. Das ist beileibe keine positive Alltagskommunikation. Wenn Sie etwas wissen m?chten, dann stellen Sie eine Frage. Wenn Sie etwas sagen m?chten, dann sagen Sie es. Bei dem oben genannten Beispiel liegt eine deutliche Diskrepanz vor. Gleiches passiert oft in F?hrungsgespr?chen: „Geht“s dir nicht gut, hast du privat Probleme?“ Entweder interessiert es mich wirklich, oder ich deklariere es als Interpretation: „Ich habe die Vermutung, dass privat etwas nicht stimmt, liege ich da richtig oder falsch?“

Regel # 4: Interesse an anderen
So banal wie einfach und doch doppelt so schwer: Zuh?ren ist eine K?nigsdisziplin in der Kommunikation – gerade und erst recht im Alltag! Versuchen Sie doch mal diese kleine Beobachtungsaufgabe: Stellen Sie sich nach der Urlaubsphase in Ihrem Unternehmen in den Pausenraum. H?ren Sie einfach zu, wie oft sich Menschen nicht (zu)h?ren. Da erz?hlt Kollege x, er sei heute wieder zur?ck aus dem Urlaub. Kollege y fragt nett: „Wie war?s denn und wo wart ihr?“ Spannend einfach zuzuh?ren, wie oft sich viele ?berhaupt nicht interessieren, was der andere erz?hlt. Bei der ersten Gespr?chspause kommt die eigene Geschichte wieder aufs Set. „Wir hatten wirklich einen tollen Service an Bord.“ Kurze Atempause. Das Gegen?ber erwidert: „Ja, letztes Jahr sind wir mit der Air Singapur geflogen, war noch besser als ihr Ruf.“ Zur Erinnerung: Interessieren wir uns wirklich f?r unser Gegen?ber, werden wir reicher! Und wenn zwei reden, hei?t das noch lange nicht, dass es auch ein Dialog ist. Sehr h?ufig sind es so genannte Doppelmonologe – beide erz?hlen abwechselnd ihre Geschichte.

Regel # 5: L?chle und sei freundlich
Setzen Sie Ihr freundliches Gesicht auf, zeigen Sie Ihre Freude, jemanden zu treffen und denken Sie ans Positive jetzt und im Leben. Sie gewinnen als authentisch positive Person mehr. So steht es im „Leitfaden zum Daten“. Stellen wir uns vor, das Gespr?ch am Dating-Tisch beginnt mit den Worten „Hallo, ich bin Peter. Ich hatte eine schwere Jugend, im Moment habe ich kein Geld und mein Chef macht mich kaputt. Abgesehen davon finde ich die politischen Verh?ltnisse in unserem Land furchtbar.“ Ehrlichkeit in allen Ehren – aber Sympathien gewinnt man so keine und schon gar kein Herz! Das ist keine Aufforderung zum gequ?lten „Think-positive“, sondern f?r klare Botschaften: Ohne innere, positive Haltung sind wir weder im Date noch im Alltag wirklich erfolgreich. Deshalb ist es wichtig, das Positive zu suchen. „Ich bin gerne bis um 16 Uhr pers?nlich f?r Sie da“ ist inhaltlich gleich aber eben doch ganz anders als die Formulierung „Ich bin dann ab 16 Uhr weg“. Zugegebenerma?en handelt es sich um kleine Details, aber in der Summe macht Kleinvieh auch Mist und das Leben besteht im Grunde nun einmal aus vielen Details. ?brigens: Positive Verhaltensweisen einer freundlichen Person werden durch Lob und Zuwendung verst?rkt. Ehrliches Lob und Zuwendung freuen im Grund jeden Menschen, so dass es ihm wiederum auch leichter f?llt, freundlich und vertrauensvoll zu sein.

Regel # 6: Nette Worte zum Start
„Himmel, wo warst du beim Friseur, hierzu braucht?s wohl auch keine Ausbildung.“ Das Date k?nnen wir abschreiben. Bei allem Interesse, Pr?senz, Lockerheit – irgendwann beginnen wir zu reden. Ein guter Grund, von Anfang an charmant, nett und unverf?nglich zu sein. Es kann durchaus sein, dass es sich im Verlauf des Gespr?chs zeigt, dass unser Gegen?ber unseren Sinn f?r Humor teilt, aber diesen Sinn sollten wir zuerst kennen! Erfahrene Speed-Dater empfehlen: Beginne mit einem Lob. Gehen wir davon aus, dass jeder gerne zuerst etwas Positives h?rt, schaffen wir einen Mikrokosmos der konstruktiven Aura und beginnen im Alltag mit einem positiven Wort: „Eine sch?ne Tasche haben Sie?“ oder „Danke, dass Sie mir den Platz ?berlassen haben.“ Als ich vor kurzem bei einem Restaurantbesuch (notabene ein nobler Gourmettempel) das Auto auf ein markiertes Feld stellte (aber wohl den Schriftzug in selbem nicht las), kam ein Mitarbeiter nach drau?en gest?rmt „Hier d?rfen Sie Ihr Auto nicht hinstellen!“ – und das noch bevor die Fahrzeugt?r abgeschlossen war. Kurzum: „Danke, dass Sie bei uns vorbeikommen. D?rfte ich Sie noch bitten, das Fahrzeug auf die andere Seite zu stellen?“ So einfach w?re es. Locker, positiv, nett, freundlich, offen, interessiert – und das mit dem Mehraufwand von ein paar wenigen, vor allem aber anderen Worten.

FAZIT

Erfolg im Umgang mit Kunden hei?t, nicht nur dann gut zu kommunizieren, wenn etwas schiefgelaufen ist. Einen F?hrungsstil leben, der Mitarbeitende f?rdert, findet nicht nur beim Lohn- oder Disziplinargespr?ch statt. Stressabbau im Alltag bedeutet nicht, dass ich zweimal im Jahr ins Wellness-Weekend gehe. Der Erfolg kommt schleichend im Alltag. Ebenso wie auch Probleme langsam und leise um sich greifen. Wenn wir es schaffen, zentrale, oft ganz kleine Erfolgselemente in der Kommunikation und im Aufbau von Beziehungen in unseren Alltag zu integrieren, wird er strukturell, rituell oder eben ganz normal und selbstverst?ndlich. Erfolgreiche Kommunikation als Selbstverst?ndlichkeit – eine Ode an die 90 Prozent Normalleben.

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